Auf dem Wittekindsweg vom Nonnenstein zur Porta Westfalica

Kaiser-Wilhelm-Denkmal, Porta Westfalica

Die Horizontale Jena rückt näher, und auch die Fjällräven Classics 2012 dürfen nicht aus den Augen verloren werden. Zeit also für eine weitere Trainingswanderung!

Da ich oft kurze Stücke auf dem Wittekindsweg unterwegs bin und er am Wochenende quasi vor der Haustüre liegt bot es sich an, hier mal so richtig Strecke zu machen. Als Ziel war Porta Westfalica ideal, vom dortigen Bahnhof sollte es keine Probleme geben nach Hause zu kommen!Um dem ganzen noch mehr Tour-Charakter zu geben schlief ich die Nacht im Garten im Tarptent. Es sollte noch einmal kalt werden, ideal um das Schlaf-Setup noch einmal zu prüfen. Dumm nur das eine Party in der Nachbarschaft mich die halbe Nacht nicht schlafen liess…

Und so bin ich Sonntag früh ziemlich gerädert aufgebrochen. Muskelkater hatte ich auch schon von der Gartenarbeit am Tag zuvor.  Trotzdem machte ich einen Umweg um am Nonnenstein auf den Wittekindsweg zu stossen und nicht an der Neuen Mühle. So sollte ich am Ende auf über 40 km kommen.

Zunächst war die Strecke also bekannt. Der steile Aufstieg zum Nonnenstein, und dann ab Richtung Osten. Schmale Pfade lösen sich mit Waldautobahn ab. Nach gut einer Stunde erreiche ich die Neue Mühle, und von nun ab muss ich mich konzentrieren. Die Strecke ist unbekannt, und ich habe mein Garmin zu Hause gelassen. Zum Geocachen hab ich sowieso keine Zeit… Eine Karte habe ich auch nicht dabei, aber der Weg soll gut markiert sein. So richtig verlaufen kann man sich in dem Gelände sowieso nicht!

Hinter der Neuen Mühle erwartet mich ein langer, zäher Aufstieg. Danach schlängelt sich der Weg über den Kamm des Wiehengebirges und die Steigungen halten sich in Grenzen. Nach etwa einer weiteren Stunde erreiche ich die Kahle Wart. Hier gibt es eine Freilichtbühne, und Sonntags scheint hier ein beliebter Treffpunkt für Jogger zu sein. Jedenfalls spuckt der Wald gerade eine ganze Horde davon aus, und ich mache eine kurze Pause, bis der Gegenverkehr abgeklungen ist.

Jetzt befinde ich mich endgültig in unbekanntem Terrain. Aber der Weg ist gut genug markiert um ihm ohne grosse Mühe folgen zu können. Ich friere, die Sonne wird von dicken Wolken verdeckt und ich war mit der Wahl meiner Kleidung zu optimistisch. Nur wenn es bergauf geht wird mir kurz warm. So fällt die Pause nach 18 km in der Nähe eines Funkturmes nur kurz aus. Schnell etwas essen, und weiter gehts. Nur nicht auskühlen!

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Der Weg führt jetzt über schmale Pfade, und hoch über einem Steinbruch habe ich endlich einmal einen guten Ausblick in die Landschaft. Direkt unter mir breitet sich das Hiller Moor aus, und ich habe wieder ein Gefühl dafür, wo ich mich befinde! 4 Stunden bin ich jetzt unterwegs, und habe knapp die Hälfte der Strecke geschafft.

Der Weg nach Bergkirchen zieht sich. An einer Bank am Waldrand mache ich noch einmal eine längere Pause. Die Sonne scheint, und mir wird langsam warm. Bald darauf ist auch Bergkirchen erreicht. Ein winziges, idyllisches Dorf. Hier kann ich auch meine Wasserflasche auffüllen.

Von hier aus geht es auf den Endspurt. Noch 12 km bis zur Porta Westfalica. Aber zunächst verlaufe ich mich. Am Ortsausgang fehlt eine Markierung, und ich finde den Weg erst nicht. Nach mehreren Fehlversuchen habe ich den richtigen Weg gefunden und es geht weiter. Ich werde langsamer, und der Weg wird eintönig. Breite Forstwege ohne viel Abwechslung sorgen nicht unbedingt für Motivation. Ich würde mir gerne einen Kakao kochen, aber die Sonne ist wieder weg und mir ist wieder kalt. Also weiter. Ich weiss, ca. 5 km vor meinem Ziel gibts einen Waldgasthof. Dort, beim Eisernen Schmied, wird es hoffentlich einen heissen Kakao für mich geben! Der Weg dorthin ist nicht schön. Eintönig, voll, und am Ende fahren sogar Autos!

Nach einer gefühlten Ewigkeit erreiche ich den Eisernen Schmied. Hier kann ich in der warmen Gaststube meinen Kakao geniessen (und die saubere Toilette nutzen). So gestärkt geht es auf die letzten Kilometer. Der Weg wird wieder schmaler und abwechslungsreicher, aber leider auch ziemlich voll. Sonntag Nachmittag in der Nähe eines überregional bekannten Ausflugsziels…

Und plötzlich sind sie wieder da, die Schmerzen im linken Knie, die mich seit Jahren in Ruhe gelassen haben. Zum Glück ist es nicht mehr weit, und nach Wittekindsburg und einem Aussichtsturm (dessen Besteigung ich mir verkniffen habe) erreiche ich das Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Erst einmal geniesse ich die phantastische Aussicht. Dann der Blick auf die Uhr. Der nächste Zug fährt in 50 Minuten. Und ich muss nur noch zur Weser runter und über die Brücke. Vielleicht noch 2 km. Jetzt kann ich mir Zeit lassen, und bei dem kurzen aber ziemlich steilen Abstieg ist das auch nötig. Das Knie schmerzt mit jedem Schritt, und der Weg ist hier in einem extrem schlechten Zustand.

Kurz nach 18 Uhr erreiche ich den Bahnhof. Gut 42 km sind es geworden, und ich habe inklusive Pausen 10 Stunden gebraucht. Damit bin ich zufrieden! Nur das Knie macht mir jetzt Sorgen, aber es sind zum Glück noch ein paar Tage bis Jena!